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Jagdverband Nordvorpommern

Das Verständnis eines Falkners zu seinem Beizvogel

Zum besseren Verständnis möchte ich auf grundlegende natürliche Zusammenhänge des Lebens unserer heimischen Greifvögel hinweisen.

Um Greifvögel zu verstehen bedarf es eines Grundwissen ihrer Lebensabläufe. Nur durch persönliche Beobachtungen im natürlichen Lebensraum der Greifvögel ist es möglich ein Verständnis für diese Tiere zu entwickeln.  Dafür ist auch entsprechende Literatur hilfreich und förderlich. Die Nahrungsbeziehungen der Lebewesen im Ökosystem sind der Schlüssel zum Verständnis für die gegenseitigen Abhängigkeiten für das Überleben des Ganzen. Jedes einzelne Lebewesen erfüllt dabei eine Aufgabe für das Ganze, vergleichbar einem „Puzzle“. Greifvögel spielen eine regulierende Rolle als Endglieder einer Nahrungskette. An Hand von Rupfungen und Gewöllen kann ihre Nahrung konkret analysiert werden. Hierbei muss berücksichtigt werden, ob es sich um selbst erworbene Nahrung oder Nahrung durch Schmarotzertum handelt.

Habichtshorst

Habichtshorst

Kürzlich wurde ich Zeuge folgenden Sachverhaltes. Es kam bei der Wiesenmahd ein Kitz zu Tode. Daraufhin stellten sich Kolkraben, Mäusebussard, Roter Milan und ein Seeadler ein. Nach kurzer Zeit griff der Adler das tote Kitz im Flug und ward nicht mehr gesehen. Wenn dieser Adler mit dem Kitz an seinem Horst erscheint und wird dabei von einem Jäger oder Ornithologen beobachtet, würde das sicherlich zu dem Rückschluss führen, dass der Adler das lebende Kitz geschlagen hat.

Um solchen Fehleinschätzungen vorzubeugen bedarf es artspezifischer Kenntnisse.

Es lassen sich schon an Hand von einigen artspezifischen Merkmalen des Körperbaus Rückschlüsse auf den Nahrungserwerb der Greifvögel schließen. Hierbei spielen die Gewandtheit des Greifs als auch die Möglichkeiten entsprechend seiner körperlichen Größe und die seiner Fänge die maßgebliche Rolle.

Falkner_Horst_2

Sperberhorst

Entsprechend dem Lebensraum und der dort verfügbaren Nahrung ergibt sich eine Gesamtfläche, die für einen Greif, oder gegebenenfalls für einen Familienverband, zum Überleben notwendig ist.

In heutiger Zeit sind dies oftmals 10 Tausend Hektar und mehr!

Wenn wir z. Bsp. in unserer großräumigen „aufgeräumten“ Landschaft in einem Waldgebiet eine Anhäufung von Greifvögeln vorfinden, dann hat das selten mit einer Überpopulation zu tun, sondern eher mit dem fehlenden Angebot an geeigneten Nistplätzen.

Ähnlich dem Nahrungsangebot für Bienen stellen wir heute auch für Greifvögel fest: In den Städten lebt es sich gesünder und besser! Das zeigt sich am Beispiel von über 100 Brutpaaren des Habichts in Berlin (er lebt dort von den Stadttauben). Den Jäger auf dem Lande kann das „freuen“!? Doch wenn der Habicht dort keine Beute mehr findet, dann wird es auch auf dem Teller des Jägers kein Niederwild mehr geben.

Den Imker auf dem Lande freut das sicher nicht.

Zu seiner Beruhigung bekommt er Informationen, wie wichtig, sinnvoll und unbedenklich doch Pflanzenschutzmittel sind! Aufgrund der Tatsache, dass heutige Falkner ihre Beizvögel meistens aus Zuchtanlagen erwerben, geht leider ihr ehemaliger natürlicher Bezug zu den Greifen verloren. Es waren früher profunde Kenntnisse erforderlich um sich einen Greif gezielt zu fangen bzw. auszuhorsten. Das heutige meist theoretische Wissen ist für ein Verstehen dieser Tiere nicht ausreichend.

Durch Horstbeobachtungen, das Sammeln von Mauserfedern, Rupfungen und Gewölle kann dem aber abgeholfen werden! Natürlich nur mit dem Einverständnis des Revierpächters bzw. des Jagdausübungsberechtigten. Die Kenntnis über diese natürlichen Lebensabläufe ermöglicht jedem Falkner den wesentlichen Bezug zu seinem Partner-Beizvogel. Der wilde Greif ist und bleibt immer das Vorbild für einen redlichen Beizjäger! Jeder Beizjäger trägt gänzlich die persönliche Verantwortung für seinen Beizvogel. Damit meine ich nicht die notwendige Absicherung durch eine Jagdhaftpflichtversicherung. Es betrifft grundsätzlich seine Gesundheit, Fitness, den Beizerfolg wie auch die Einschätzung des Risikos bei der Jagd etc…

Deshalb sollte ein Falkner von ruhigem ausgeglichenen Gemüt und scharfer Beobachtungsgabe sein. Meine Ausführungen bitte ich als positive Anregungen wahrzunehmen und für einen Erfahrungsaustausch bin ich immer ansprechbar.

Ho Rüd ho und immer gut Federspiel

Hans Werner Bünger
Literaturhinweis:

1.Die Raubvögel Europas, Fritz Engelmann
2.Der wilde Falk ist mein Gesell, Renz Waller
3.Das Leben europäischer Greifvögel, Heinz Brüll