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Jagdverband Nordvorpommern

Definition & Anfeindung der Falknerei

Definition und Anfeindung der Falknerei,
eine Betrachtung aus heutiger Sicht.

Landläufig verbindet man heute häufig den Begriff „Falknerei“ mit den sogenannten Flugvorführungen in Zoos und Wildparks. Aus diesem Grund bedarf der Begriff „Falknerei“ immer wieder der Klarstellung. Per Definition handelt es sich bei der „Falknerei“ um eine Jagdform, Beizjagd genannt, bei der mit abgerichteten Greifvögeln auf freilebendes natürliches Wild gejagt wird.

Die Beizjagd ist ein „Gleichnis der Natur“, weil täglich tausendfach auch Greifvögel in der Natur ihre Beutetiere jagen. Die genannten Flugvorführungen dienen hingegen vorrangig dem Zweck, dem Betrachter Informationen und Wissen über die Greifvögel zu vermitteln. Das ist sehr wichtig zum Verständnis und für das Interesse der Allgemeinheit für die Belange der Greifvögel in der Natur.

Es muss hierbei klargestellt werden, dass es sich bei diesen vorgestellten Greifvögeln nicht um Vögel handelt, die für die Beizjagd eingesetzt werden. Diese Vögel werden extra für diese Veranstaltungen, in einem gewissen Umfang nach falknerischen Methoden, abgetragen(abgerichtet). Bei den „Falknern“ handelt es sich in der Regel um keine Beizjäger und Selbige haben demzufolge auch keinen Falknerjagdschein. Dieser ist jedoch für die Beizjagd zwingend notwendig.

Flugbild vom Schreiadler

Flugbild vom Schreiadler

Show-Veranstaltungen mit Greifvögeln auf Märkten oder Ähnliches dagegen dienen, trotz ihres aufklärenden Charakters, hauptsächlich der Effekthascherei für den Kommerz. Da (aber) weder der Begriff der „Falknerei“ noch der Berufsbegriff des „Falkners“ rechtlich geschützt sind, gibt es in der Öffentlichkeit große Missverständnisse genannter Art. Dies wird von bestimmten Interessengruppen zum Zweck der Propaganda ausgenutzt. Das geht aktuell soweit, dass diese Interessengruppen ein VERBOT der Falknerei fordern!

Es werden dazu vor allem folgende Gründe genannt:

  • 1.) Die Falknerei wird für den Artenschwund der Greifvögel in der Natur verantwortlich gemacht. Ursache hierfür sei im Wesentlichen der (kommerzielle) Handel mit Greifvögeln und als Beleg werden immer wieder absurde, horrende Preise, die diese Vögel angeblich erzielen, angeführt.

Die Tatsachen sehen anders aus:
Die kommerzielle Greifvogelzucht ist aktuell in der Lage, die Nachfrage nicht nur zu decken, sondern es besteht ein Überangebot mit ständig fallenden Preisen. Das ist die heutige Realität! Wenn es trotzdem, wie in jedem anderen Lebensbereich auch, der (ver)kommerzialisiert ist, kriminelle Handlungen gibt, so müssen diese natürlich geahndet werden. Nachweislich haben sich aber gerade Falkner schon seit den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts für den Greifvogelschutz eingesetzt. Falkner sind durch ihr Wissen über Greifvögel maßgeblich an deren Arterhaltung beteiligt und die Falknerverbände sind als Naturschutzverbände anerkannt.

Es kann und darf in unserer Gesellschaft deshalb nicht sein, dass eine Gruppe von Menschen wie z. Bsp. die „Falkner“ pauschal kriminalisiert wird!

  • 2.) Auch bezüglich des Tierschutzes werden der „Falknerei“ diffamierende Vorwürfe gemacht. Es betrifft im Wesentlichen die „Konditionierung“ der Beizvögel zur Jagd und die „Haltung“.
    „Konditionierung“ durch „Nahrungsminderung“:
    Diese Thematik möchte ich am Beispiel der natürlichen Bettelflugphase des jungen Wanderfalken bis zu seiner Selbständigkeit nachvollziehbar darstellen.Zu dem genannten Zeitpunkt, wenn die jungen Falken anfangen, ihre ersten Flugübungen zu machen, werden sie von den Altvögeln konditioniert (nicht sattgefüttert). Dadurch fliegen die hungrigen Jungfalken den Altfalken, die Futter herantragen, früher oder später entgegen bzw. hinterher. Die zugetragenen toten Beutevögel werden in Gänze an die Jungfalken in der Luft übergeben. Zu einem späteren Zeitpunkt tragen die Altfalken auch lebende Beutevögel, als „Übungsobjekte“, herbei. Schlussendlich werden von beiden Altfalken zusammen Beutevögel zielgenau zu den Jungfalken getrieben, damit diese nunmehr von den Jungfalken gefangen und getötet werden können, wobei die Altfalken den Jungfalken gegebenenfalls helfen. Dies alles ist für die Entwicklung der Jungfalken notwendig, damit diese ihre Selbständigkeit erreichen. Es erfolgt dadurch auch eine Prägung auf die Beutevögel, wobei der Hunger und die Beutetönung (das Fluchtverhalten der Vögel) die Auslöser für eine Jagd sind. Die endgültige Prägung auf die artspezifischen Beutetiere erfolgt durch das Rupfen und Fressen der Vögel.Dieses natürliche Grundprinzip der „Konditionierung“ und „Ausbildung“ wird in einem beschränkten Umfang von der Falknerei kopiert bzw. simuliert. Ein Beispiel hierfür ist die Beuteattrappe, das sog. „Federspiel“, das mit Futter versehen ist und durch Bewegung ein Fluchtverhalten simuliert. Eine übermäßige Konditionierung (durch Abmagerung) ist schon deshalb nicht zielführend, weil durch diesen Kräftemangel ein Beutefang (Jagd) nicht mehr möglich ist.

Haltung der Greifvögel:

  1. a) Die falknerische Anbindehaltung hat sich über Jahrtausende bewährt. Sie dient vor allem der Schonung des Gefieders und beugt Verletzungen, wenn die Beizvögel gegen Volierendraht oder andere Einfriedungen anfliegen, vor. Desweiteren dient das Geschüh (die Lederriehmen um die Ständer/Beine) auch dem gefahrlosen Transport des Greifs und einer kontrollierten Jagd.
  1. b) Das Verhauben der Beizvögel gibt des Öfteren Anlass zu Fragen und Missverständnissen von Außenstehenden. Durch die Haube kann der Beizvogel nichts sehen und ist dadurch fast gänzlich vom Umweltstress befreit. Das ist der hauptsächliche Grund für das Verhauben von Beizvögeln. Ein weiterer wesentlicher Aspekt ist die kontrollierte zielgerichtete Jagd. Dem Beizvogel wird erst im Jagdrevier das betreffende Wild gezeigt bzw. hochgemacht. Andernfalls würde sich der Falke irgendwo das Wild selbständig suchen. Es ist schon erstaunlich, mit welcher Gelassenheit die Beizvögel die Haube schon nach kurzer Zeit akzeptieren.
  1. c) Auch die Zuchterfolge unterschiedlicher Greifvögel in Falknerhand bestätigen das notwendige Einfühlungsvermögen und die Sachkompetenz einer artgerechten Haltung der Tiere.

Fazit: Die sach-und artgerechte Haltung von Greifvögeln in Falknerhand widerspricht aus den genannten Gründen nicht dem Tierschutz oder anderen Rechtsnormen. Offensichtlich steht bei bestimmten Interessengruppen eine Verunglimpfung der Falkner und eine „Ideologie“ im Vordergrund und nicht eine sachdienliche Aufklärung. Aus den genannten Gründen ist es um so wichtiger, dass alle aktiven Falkner zur Aufklärung und Information beitragen. Intern unter den Fachleuten des Greifvogelschutzes sieht das ganz anders aus. Ein Beispiel hierfür ist das Auswilderungsprojekt für den Schreiadler (Pommernadler) in Brandenburg. Hierbei wurden, wie auch schon bei der Wanderfalkenauswilderung, die jahrhunderte alten Erfahrungen der Falknerei, nämlich der sog. Wildflug bis zur Selbständigkeit, kopiert.

Für die Durchführung dieses Schreiadlerprojekts haben alle Interessengruppen (Landeigentümer, Forstbetriebe, Jäger, Ornithologen, Naturschutzverbände, Behörden, etc.) zusammengearbeitet. Eine gegenseitige Akzeptanz und Toleranz der unterschiedlichen Interessengruppen war bei dieser Zusammenarbeit selbstverständlich. Aus meiner persönlichen Sicht gibt es zwischen diesen unterschiedlichen Interessengruppen sogar mehr „Gemeinsames“ als „Trennendes“. Deshalb sollte auf dieser Basis eine sachgerechte Zusammenarbeit in der Zukunft zur Selbstverständlichkeit werden!

Mit meinen Informationen zur Falknerei und der Beizjagd möchte ich einen kleinen Beitrag zum besseren Verständnis leisten, um Vorurteilen entgegenzuwirken.

Einen Toast auf zukünftige gemeinsame Ziele.

Hans Werner Bünger