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Jagdverband Nordvorpommern

Gegenwart und Zukunft der Falknerei in Deutschland

Am 1. Dezember 2016 hat die internationale UNESCO Kommission die Falknerei in Deutschland zum immateriellen WELTKULTURERBE erklärt. Das ist sowohl eine sehr wichtige und außergewöhnliche gesellschaftliche Anerkennung als auch eine große Verantwortung.

Leider müssen wir aktiven Falkner trotzdem zur Kenntnis nehmen, dass die größten deutschen Naturschutz- und Tierschutzverbände die Falknerei gänzlich ablehnen und ein bundesweites Verbot fordern.

Ich persönlich glaube, dies beruht im Wesentlichen auf einem grundsätzlichen Missverständnis bezüglich der Zusammenarbeit des Falkners mit seinem Beizvogel, dem sogenannten „Wesen“ der Falknerei. Es ist bei den genannten Verbänden gängige Praxis zu behaupten, Falkner müssten ihren Beizvögeln durch Selbstdarstellung eine Rangordnung beibringen, die zu einer zwingend notwendigen Unterwürfigkeit führen soll. Das trifft sicherlich bei Rudeltieren zu, aber nicht bei Greifvögeln!

Es wird sogar behauptet, Beizvögel müssten erst „gebrochen“ werden, damit sie immer wieder zu ihrem Falkner zurückkehren.

Diese Behauptungen entbehren nachweislich jedweder Sachkunde, was in einschlägiger Literatur der Verhaltensforschung über Greifvögel nachgelesen werden kann.

Solche haltlosen Behauptungen dienen nicht einem Verständnis für diese Tiere, sondern nur der Propaganda zur Verurteilung (VERBOT) der Falknerei.

Es liegt an uns Falknern auch Außenstehenden zu vermitteln, dass die Falknerei auf ein partnerschaftliches Verhältnis zwischen dem Falkner und seinem Beizvogel angewiesen ist!

Erst dadurch wird eine erfolgreiche Beizjagd möglich.

Die sachgerechte Vermittlung der Grundsätze der Falknerei bleibt auch weiterhin ein Schwerpunkt unserer Aktivitäten in der Öffentlichkeit.

Maßgeblich hierfür sind die modernen Medien und die internationale Zusammenarbeit.

An dieser Stelle sei auf die IAF, den Weltverband der Falkner, der 2018 sein 50 – jähriges Bestehen in seinem Gründungsland (Deutschland) feiern wird, verwiesen.

Schreiadler- Foto und @Copyright Herbert Henderkes.

Schreiadler- Foto und @Copyright Herbert Henderkes.

Nachweislich der bekannten negativen Auswirkungen der modernen Agrarindustrie auf ihre Umwelt ist es in den letzten Jahrzehnten zu einem stetigen Artenschwund gekommen. 

Jeder ca. ZWEITE Brutvogel (ca. 300 Millionen) ist seit 1980 aus der Agrarlandschaft verschwunden!

Als Folge kommt es natürlich auch zu Einschränkungen der Jagd im Allgemeinen als auch der Beizjagd im Besonderen. 

Die deutschen Falkner sollten sich jetzt aber nicht „verführen lassen“ und auch dem Falkensport verfallen.

In den arabischen Golfstaaten hat dieser Verlust an jagdbaren Wild zu Auswüchsen, sowohl bei der Beschaffung von Falken als auch der Höhe der Preisgelder, geführt.

Die Falknerei ist ein Jahrtausende altes anerkanntes Kulturerbe, das es zu bewahren und weiterzuentwickeln gilt!

Hierbei sollten natürlich auch aktuelle Techniken Berücksichtigung finden, wie z. Bsp. die GPS Telemetrie, etc…..

Was ich aber für nicht akzeptabel halte, ist die Hybridzucht unter den verschiedensten Arten von Greifvögeln.

Der fortlaufenden Evolution auf unserem Planeten Erde auf diese Art ins „Handwerk zu pfuschen“ ist kurzsichtig und naiv. 

Das entspricht aber wohl unserem heutigen populistischen kommerziellen Zeitgeist. Selbiger verkündet ja auch fortwährend ein „unendliches wirtschaftliches Wachstum“ für alle Zeiten zum Wohlbefinden der Menschheit.

Wir sollten uns besser wieder um ein Einvernehmen mit unserer vorhandenen Natur bemühen als uns im „Reagenzglas“ eine „Neue Welt“ zu erschaffen. 

Ein diesbezüglich positives Beispiel ist die „Wiederansiedlung des Wanderfalken in M-V“ unter Mitwirkung der Jägerschaft und Falkner.

Weitere Projekte befinden sich in Vorbereitung bzw. in der Umsetzung wie zum Beispiel das hiesige „Chance. Natur Projekt Vorpommersche Waldlandschaft“.

Hierbei sollen Lebensräume für eine Vielfalt an Lebewesen erhalten bleiben bzw. wiederhergestellt werden, in diesem Fall für den besonders gefährdeten Schreiadler.

Selbst unsere Bundesumweltministerin Dr. Hendricks und unser Landwirtschafts- und Umweltminister Dr. Backhaus sprechen von Maßnahmen „Nationaler Bedeutung“ bzw. „Landesbedeutung“. Zitat Backhaus: „Wenn es den Schreiadler nicht mehr gibt, dann gibt es auch M-V nicht mehr.“

Es hat ein neues Jahr begonnen, lasst uns gemeinsam die anstehenden Aufgaben nach dem Motto – Es gibt nichts Gutes, es sei denn Du tust es – angehen.

Ho Rüd ho und immer gut Federspiel

Hans Werner Bünger
IG-Kulturerbe Falknerei M-V

Copyright der Fotos liegt bei@ Herbert Henderkes
Vielen Dank für die Nutzung.