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Jagdverband Nordvorpommern

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Planerfüllung 2014/2015 der Hegegemeinschaft Schuenhagen-Franzburg

Planerfüllung_JJ2014_15_Teil1

Entwicklung der Rotwildpopulation in der Hegegemeinschaft Schuenhagen

Den gesamten Bericht finden Sie hier zum Download: Entwicklung der Rotwildpopulation in der Hegegemeinschaft Schuenhagen.pdf

In der Hegegemeinschaft Schuenhagen – Franzburg ergaben sich Unstimmigkeiten zur Populationsdynamik und Höhe des Rotwildbestandes zwischen den Jägern, Jagdbehörden, Land- und Forstwirten. Die Aufgabe bestand darin, eine realistische Einschätzung der Entwicklung des Rotwildbestandes zu erarbeiten.

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Um die Entwicklung einer Rotwildpopulation und ihrer Bewirtschaftung darzustellen, muss man wissen, wie viel Wild im jeweiligen Lebensraum tragbar ist, welche Bestände man haben will, wie viel Wild etwa vorhanden ist, wie hoch der Zuwachs ist und wie man mit Hilfe eines Abschussplans einen tragbaren Wildbestand nachhaltig erhalten kann. Außerdem muss man berücksichtigen, dass örtlich und jährlich eine unterschiedlich hohe natürliche Mortalität vorhanden ist, die die Höhe des Wildbestandes und der Strecke wesentlich beeinflussen kann. Es gibt mehrere Möglichkeiten, um Informationen über den vorhandenen Wildbestand zu erhalten. Z.B. sind das direkte Zählungen von Wildtieren, bei der Jagdausübung, bei speziellen Zähltreiben, an besonders günstigen Tagen mit einer hohen Zahl von Beobachtern, mit nächtlichen Scheinwerferzählungen oder vom Flugzeug aus. Diese Verfahren haben den Nachteil, dass man je nach Biotop nur einen kleineren oder größeren Teil der Wildbestände sieht. Sie haben aber den Vorteil, dass man bei den größeren Arten zusätzliche Aussagen zur Populationsstruktur des Bestandes machen kann, besonders zum Geschlechterverhältnis und zur Altersstruktur.

Vorteilhaft ist es, wenn man seine Beobachtungen ganzjährig aufschreibt und sich daraus einen Index berechnet, den man von Jahr zu Jahr vergleicht. Auch bei Ansitz-Drückjagden kann das gesehene Wild notiert werden. Der ganzjährige Eindruck über die Entwicklung der einzelnen Arten wird von den Jägern, die viel im Revier sind, gerne dazu benutzt, Tendenzen der Bestandesentwicklung zu erkennen und in Beziehung zur Abschussplanung zu setzen. Zu den Methoden direkter Beobachtung gehört auch die Erfassung von Wildtieren auf Zähltrassen, die man nachts oder tags abläuft oder abfährt (Fahrrad, Pferd, Auto) und das Ergebnis auf die Gesamtfläche hochrechnet. Wichtig ist dabei, dass man solche Zähltrassen durch ein repräsentatives Gelände legt und sie von Jahr zu Jahr beibehält. Eine weitere Möglichkeit zur Schätzung des Wildbestandes ist das Erfassen von Anwesenheitsspuren, wie Fährten, Losung und Verbiss. Während Fährten und Losungsreste noch einer Stückzahl und Art zugeordnet werden können, ist dies beim Verbiss nicht möglich.

Verbiss kann nur nach Hase und Schalenwild differenziert werden. Aus der Intensität des Verbisses kann man auch nicht auf die Höhe des Wildbestandes schließen, da ersterer außer von der Wilddichte noch von anderen wichtigen Faktoren abhängt. Man kann nur feststellen, dass auf der betreffenden Fläche wenig oder zu viel vom Wild verbissen wurde. Das kann jeweils durch viel oder auch durch wenig Wild erfolgt sein.

Für wissenschaftliche aber auch praktische Zwecke bietet das Losungszählverfahren eine gute Übersicht über die Populationsdynamik und Verteilung des Schalenwildes. Neuerdings werden Losungsreste genetisch analysiert oder Flugzeugzählungen vorgenommen, um auf die Wilddichte zu schließen. Eine Ermittlung des genauen Bestandes mit allen Methoden, bei denen man die Anzahl der Individuen zählen will, scheitert in der Regel daran, dass man nicht alle Tiere oder ihre Spuren findet. Vielfach werden solche Methoden für wissenschaftliche Zwecke eingesetzt. Für die praktische Wildbewirtschaftung sind sie in der Regel nicht geeignet. Besonders für die Ermittlung der Populationsdynamik in zurückliegenden Jahrensteht nur die Streckenstatistik zur Verfügung, aus der aber durchaus Rückschlüsse auf die praktische Wildbewirtschaftung gezogen werden können. Dies erfolgte in der Praxis bisher nach folgender Formel:

Frühjahrsbestand (Rotwild, Damwild, Muffelwild, Rehwild) = Strecke des Vorjahrs x 200 ./. Zuwachsprozent

Diese Formel gilt nur für die folgenden Thesen:

  1.  Der Abschuss entspricht dem Gesamtabgang in der Population.
  2.  Der Abschuss entspricht dem Zuwachs, die Population ist gleich groß geblieben
  3.  Das Geschlechterverhältnis im lebenden Bestand ist 1:1.
  4.  Das Zuwachsprozent entspricht den in den Bewirtschaftungsrichtlinien vorgegebenen Werten.

Keine dieser vier Thesen trifft aber in der Praxis zu. Der Abschuss entspricht im Durchschnitt nur 50 % des Abganges in der Population. Dieser Wert kann gebietstypisch zwischen 20 und 80 % schwanken. Der Abschuss entspricht außerdem im Durchschnitt nur 50-80 % des Zuwachses. Darauf weist auch der kontinuierliche Anstieg der Wildbestände hin.

Das Geschlechterverhältnis in der lebenden Population ist bei allen Schalenwildarten in unterschiedlicher Höhe zu Gunsten des weiblichen Wildes verschoben, Dabei muss die gesamte jeweilige Population betrachtet werden. Es gibt z. B. ausgesprochene Hirschreviere, in denen das männliche Wild überwiegt. Viele wissenschaftliche Erkenntnisse weisen darauf hin, dass der Zuwachs bei den einzelnen Arten höher ist als er in den Bewirtschaftungsrichtlinien angegeben wird, besonders auch unter dem Aspekt, dass mehr weibliches Wild vorhanden ist.

Man weiß heute, dass die beim Rehwild schon vor langer Zeit bewiesene Tatsache, dass der Bestand meistens doppelt so hoch ist als er geschätzt wird, auch auf andere Schalenwildarten zutrifft. Auch mit diesem Wissen kann man aber den Abschuss nicht einfach verdoppeln, da man die natürlichen Abgänge nicht ausschalten kann. Wenn beim Rehwild allein jährlich Verkehrsverluste in Höhe von 20 % der Gesamtstrecke erfasst werden, nochmals mit einer Dunkelziffer in gleicher Höhe gerechnet werden muss und dazu weitere Mortalitätsursachen hinzukommen, weiß man, wie schnell man auf hohe Mortalitätsziffern kommt.

In der Praxis wird in vielen Revieren und Hegegemeinschaften so verfahren, dass man sich mit dem Abschussplan und seiner Erfüllung Schritt für Schritt an die notwendige Höhe herantastet, indem man die Schäden und den Jagderfolg ins Verhältnis zum Ziel setzt. Das ersetzt aber nicht die notwendige Wildbestandsschätzung, sondern unterstützt sie nur. Wichtig ist, dass man versucht, die Jagd als kompensatorische Sterblichkeit anzusetzen, d.h. dass möglichst viel von dem Wild auf die Strecke gebracht wird, dass sonst der natürlichen Mortalität zum Opfer fällt. Leichte Planerfüllung oder hohe Strecken bei Mindestabschussplänen deuten immer auf ansteigende oder zu hohe Wildbestände hin.

 

 

Der Gigant von Vorpommern.

Hirsch1Am 02.08.2014 konnte dieser hochkapitale Rothirsch im Bereich Stremlow der Hegegemeinschaft Schuenhagen-Franzburg (Vorpommern-Rügen) erlegt werden. Bei dem „Giganten von Vorpommern“ handelt es sich um einen ungeraden 26-Ender mit einem Geweihgewicht, das knapp eine Woche nach dem Abkochen noch 16,8 kg betrug. Erste Bewertungen lassen uns mit Spannung ein offizielles Bewertungsergebnis erwarten. Und dieses Ergebnis wird voraussichtlich eine deutsche Spitzentrophäe ergeben! Abwürfe, Sichtbeobachtungen in den vorhergehenden Jahren sowie die Proportionen des Hauptes lassen nur den Schluss auf einen Hirsch aus freier Wildbahn zu. Dieser Ausnahme-Hirsch ist ein weiterer Beleg für Rotwild mit einem außerordentlich hohen Potential im Bereich der Hegegemeinschaft Schuenhagen-Franzburg. Dies gilt es zu erhalten!   Ein kräftiges Weidmannsheil dem Erleger!

 

Dr. Ralph Pohl

HG Hochwild Schuenhagen-Franzburg Öffentlichkeitsarbeit

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