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Jagdverband Nordvorpommern

Unser Niederwild – Was ist zu tun?

Unter diesem Motto stand die Informationsveranstaltung der drei Initiatoren, der Stiftung Wald und Wild, des Ministeriums für Landwirtschaft und Umwelt und des Landesjagdverbandes MV, vom 22. Februar 2017.

Tagungsort war das „Van der Valk Resort“ in Linstow im Zeitraum von 9.30 Uhr – ca. 16 Uhr.

Die Begrüßungsrede und Einführung in die Thematik erfolgte durch Minister Dr. Backhaus mit dramatischen Zahlen von unserem Niederwild. Einige beispielhafte Zahlen der Wildtierzählung und der letzten Jagdstreckenzählung auf die Jagdfläche bezogen:

1 Fasanhahn auf 1000 Hektar – bezogen auf das Vorhandensein – auf nur noch 13% der Jagdfläche
2 Paare Rebhühner auf 1000 Hektar – bezogen auf das Vorhandensein – auf nur noch auf 20% der Jagdfläche
5 Hasen auf 100 Hektar Jagdfläche.

Streckenergebnisse: Niederwildstrecke 2015/16 (Hasen, Kaninchen, Fasan, Tauben, Schwäne, Gänse, Wildenten, usw.) ohne Rehwild : 12.386 Kreaturen insgesamt Raubwildstrecke 2015/16 : 38.386 Kreaturen insgesamt.

Der Begrüßung folgten, sowohl am Vormittag als auch am Nachmittag mehrere Referenten, die über ihre Erfahrungen von konkreten Maßnahmen für „Unser Niederwild“ berichten.

Ich möchte hiermit nur zusammenfassend berichten:

  1. Die Jägerschaft ist nicht in der Lage (keine Verfügungsgewalt) Hilfestellungen (Maßnahmen der Veränderung der Lebensräume) zu geben.
  2. Einzig die Grundeigentümer bzw. Landwirte können Veränderungen im Lebensraum des Niederwildes initiieren.
  3. Die Jägerschaft kann nur zusammen und mit dem Einvernehmen der Grundeigentümer bzw. Landwirte Veränderungen vornehmen.
  4. Für eine nachhaltige Hilfe unseres Niederwildes sind revierübergreifende Maßnahmen notwendig.
  5. Worauf die Jägerschaft Einfluss hat, das sind die dem Jagdrecht unterliegenden Prädatoren. In Form der Jagdausübung!
  6. Die vorgestellten Hilfsprojekte für das Niederwild aus verschiedenen Bundesländern waren sehr informativ.
  7. Ein wissenschaftlicher Beitrag gab Aufschluss in Bezug auf die Schwerpunkte der Bejagung von verschiedenen Prädatoren.
    Die Fallenjagd ist ein ganz wesentlicher Faktor für eine nachhaltige gezielte Prädatorenjagd.
    Von einer Nachhaltigkeit spricht die Wissenschaft aber nur bei einer ganzjährigen Bejagung!
  8. Das laufende Niederwildprojekt vom LJV Mecklenburg Vorpommern in der Lewitz „erhält nur den Bestand“ vor Ort.
    Die jahrelangen Auswilderungen haben, auf Grundlage der Zahlen, den natürlichen Bestand nicht angehoben.
  9. Ein laufendes Niederwildprojekt auf Rügen hat einen sehr engagierten Mentor. Das Projekt entwickelt sich, durch viele weitere Akteure, sehr gut. Hier zeigt sich, was persönlicher Einsatz bewirken kann! Es werden Fasane und Rebhühner in größerem Umfang ausgewildert. Der natürliche Bestand entwickelt sich positiv.
  10. Das Schlusswort der Veranstaltung hatte unser LJV Prasident Dr. Böhning.

Er brachte zum Ausdruck, dass er über das Interesse der Jägerschaft an dem Thema „Unser Niederwild-Was ist zu tun?“ sehr erfreut ist. An diesem Symposium haben ca. 100 Jägerinnen und Jäger (meine persönliche Schätzung) teilgenommen.
Desweiteren teilte er mit, dass ein Informationsband über das Symposium erscheinen wird. Ein letztes Grußwort und Horido zum Abschluss.

Einige persönliche Anmerkungen:

Die Organisation und der Ablauf dieser Veranstaltung war sehr gut. Die Referenten haben ihre Vorträge sehr gut strukturiert und modueriert. Es gab über fast alle Bereiche der Tagesordnung sehr sachdienliche Informationen aus der Praxis.
Leider waren aber nur einige wenige Bauern und Landbesitzer anwesend. Nur einige EIGENJAGDBESITZER! Durch dieses Manko, „beißt sich die Katze in den Schwanz“. Was ich aber nicht verstehen kann ist, warum das Thema Pflanzenschutzmittel gar nicht auf der Tagesordnung stand!? So wie früher das „Thema“ DDT, LINDAN oder der NULL-NULL-RAPS, so wurde jetzt das Thema GLYPHOSAT „übergangen“. Dadurch verliert diese sonst so engagierte Veranstaltung erheblich an GLAUBWÜRDIGKEIT, vor allem in der Öffentlichkeit! Das ist weder der „SACHE“ noch „ALLEN BETEILIGTEN“ dienlich. Wir sollten aus unseren Fehlern lernen und nicht weiterhin den Kopf in den Sand stecken. Wenn wir „Unserem Niederwild“ helfen, dann ist das auch Hilfe zur Selbsthilfe!
Ich, als aktiver Beizjäger, weiß wovon ich rede.

Die aktuellen Fakten über das „BEFINDEN“ unseres Niederwildes liegen auf dem Tisch! Es geht hier nicht „nur“ um unser Niederwild, es geht um das ganze „NATÜRLICHE ÖKOSYSTEM ACKERLAND“. Das Rebhuhn steht hierfür nur Pate und ist nur eine LEIT(D)ART!
Dafür tragen auch wir JÄGER eine besondere Verantwortung und dieser Verantwortung müssen WIR uns stellen.
Das Schicksal des Rebhuhn hat auch eine große Bedeutung für die Zukunft der Jägerschaft, das muss uns bewusst werden.
Wir sollten diese Situation als Herausforderung und Chance betrachten, die WIR gemeinsam annehmen und meistern.
Gerade unter dem Aspekt der zukünftigen „Agrarindustrie 4.0“ müssen WIR an die nächsten Generationen der Jägerschaft denken! Es liegt an UNS, packen WIR es an.

Ho Rüd ho, Weidmannsheil und Falknersheil

Hans Werner Bünger
„IG-KULTURERBE FALKNEREI M-V“