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Jagdverband Nordvorpommern

Erfolgreiche Veranstaltung der „IG-Kulturerbe Falknerei M-V“, unter der Schirmherrschaft vom JV – Nordvorpommern. Vielen Dank

Auf Einladung der „IG-Kulturerbe Falknerei M-V“ bin ich mit meiner Frau am 05.11.16 zu einer Lehrveranstaltung „Kulturerbe Falknerei“ gefahren.  Treffpunkt der Veranstaltung war das Forstamt Schuenhagen.

Um 12:00 Uhr trafen wir uns mit dem Initiator Wdg. Bünger, drei weiteren Falknern (Herrn Tertel, Herrn Kodanek, Herrn Rockel) aus MV, zwei Falken und einem interessierten Jugendlichen zu diesem Event.

Bei den Falken handelte es sich um einen 11 – jährigen Wanderfalken und einen 6 – jährigen Sakerfalken. Beide sind erfolgreiche Jagdfalken! Der Wanderfalke ist als sog. Anwartefalke auf Enten ausgebildet und der Sakerfalke als sog. Faustfalke auf Möwen. Wie uns berichtet wurde, ist der Sakerfalke schon seit Jahren der erfolgreichste Falke auf Möwen und Gänse in M-V.

An diesem Tag war das Wetter nicht gerade sehr freundlich zu uns. Bei der Begrüßung regnete es so stark, dass es zu der Entscheidung kam vorerst das weitere Wetter in einer falknerei_unescoLokalität abzuwarten. Nach kurzer Überlegung fuhren wir in eine nicht weitentfernte Gaststätte. Dadurch hatten wir Gelegenheit uns persönlich näher kennenzulernen.
Es entstand auch gleich ein Erfahrungsaustausch zwischen den vier Falknern und mir als einzigem Jäger mit der Waffe bezüglich der Probleme mit unserem Niederwild. Wir fanden sehr schnell heraus, dass wir die gleiche Sicht auf diese Probleme haben. Bei den vier Falknern kam es natürlich zu Fachgesprächen in der Falknersprache, denen ich nicht immer folgen konnte.

Bezüglich der Vorbereitung der Veranstaltung hatte mich Wdg. Bünger, da wir Mitglieder im selben Hegering sind, um Hilfe für die Bereitstellung geeigneter Reviere gebeten. falkner_eventAls langzeitiger Hundemann konnte ich mich ganz gut in die hierfür notwendigen Gegebenheiten hineinversetzen und half gerne dabei einen Kontakt zu entsprechenden Revierpächtern herzustellen. Ein wesentlicher Punkt meiner Teilnahme an dieser Veranstaltung war erstmals persönlich zu erleben, wie ein Falkner das hinbekommt, mit seinem Falken erfolgreich zu jagen. Das wollte ich sehen.

Um ca. 13.30 Uhr ließ der Regen nach und wir fuhren gemeinsam in das Jagdrevier. Vor Ort wurde mir erklärt, dass es zwingend notwendig ist, dass ein Sichtkontakt zwischen dem Falkner und seinem Falken besteht. Bei der sog. Anwartefalknerei fliegt der Falke in den Himmel und wartet in großer Höhe auf das Wild, das ihm der Falkner oder sein Hund präsentiert.

Eine Zusammenarbeit ist ohne Sichtkontakt nicht möglich! Nach kurzer Einweisung wartete die Korona in der Nähe eines eingewachsenen Teiches. Wdg. Bünger ging mit seinen Wanderfalken ca. 150 Meter vom Teich weg, nahm ihm dann die Falkenhaube ab und ließ den Falken fliegen. Der Falke wollte anfänglich nicht, aber nach einigen Minuten fing er doch das gezielte Fliegen an. Der Falke flog Ringe und stieg dabei immer höher, er überflog auch den Teich und wir konnten den Warnruf einer Stockente hören.img_24291
Als der Falke ca. 100 Meter Höhe erreicht hatte, ging ein vorher als Jagdhelfer eingeteilter Falkner zum Teich und machte die Enten hoch. Jetzt ging alles ganz schnell. Der Falke fiel wie ein Stein vom Himmel, korrigierte kurz seine Flugrichtung in Höhe der Enten und versetzte einer Stockente im Vorbeifliegen einen Schlag an den Kopf, sodass sie augenblicklich zu Boden fiel. Der Falke steilte kurz auf, fing dann die Ente am Boden und tötete diese durch Genickbiss.
Zwischenzeitlich war Wdg. Bünger im Laufschritt bei seinem Falken mit der Ente angekommen und fing diese vorsorglich ab. Nach dem Töten der Ente durfte sich der Falke seinen Anteil nehmen (kröpfen).
Von den Falknerkollegen gab es für den Besitzer (Falkner) des erfolgreichen Falken ein zünftiges Falknersheil.

Nach kurzem Verweilen war jetzt das vorher besprochene „Drohnentraining“ des Sakerfalken an der Reihe. Hierzu wurde die Drohne startklar gemacht, im Schlepptau eine Beuteatrappe mit Fallschirm.  Der Sakerfalke wurde, ebenso wie vorher der Wanderfalke, mit einem Sender versehen. Dieser dient der Telemetrie zum Wiederfinden des Falken, falls das notwendig ist. Das Wetter trübte sich immer mehr ein und die Sicht wurde schlechter.

Alles musste jetzt schnell gehen, weil die Technik (Elektronik) keine Feuchtigkeit verträgt. Die Drohne fliegt mit der Beuteattrappe los und dem Falken wird die Haube abgenommen. Nach kurzer Orientierung fliegt der Falke von der Faust des Falkners. Da die Drohne senkrecht in den Himmel fliegt, kann der Falke ihr nicht folgen. Er steigt durch Kreisen hinter der Drohne her und beide verschwinden im Dunst der Wolken. Wir können uns einige Zeit noch am Geräusch der Elektromotoren der Drohne orientieren, dann sagt uns der Falkner, der die Drohne fliegt, der Falke hat die Beuteattrappe ausgeklingt und müsste jetzt zur Erde kommen.

Tatsächlich taucht der Falke mit seiner „Beute“ in einiger Entfernung aus den Wolken auf. Der Falkner eilt beitragsbild_event_falkenzu dem Falken und kommt mit diesem zu uns zurück. Jetzt bekommt der Falke auf dem Handschuh des Falkners seine Belohnung (Futter). Der Falkner erklärt uns, dieses Training dient ausschließlich der Fitness des Falken, damit er überhaupt in der Lage ist erfolgreich Möwen und Gänse zu jagen. Da er aus verschiedenen Gründen dem Falken keine tägliche Jagd bieten kann, dient die Drohne einem effektiven Muskeltraining. Nur durch ständiges Training ist der Falke in der Lage die schnellen und wendigen Möwen zu fangen.

Nach einer Einweisung übergibt der Falkner den verhaubten Falken samt Handschuh an den beiwohnenden interessierten Jugendlichen. Diesen Moment wird dieser bestimmt nicht mehr vergessen!

Jetzt beginnt es wieder zu regnen und wir sind alle zufrieden, dass diese Veranstaltung doch noch möglich war. Anschließend erfolgt eine kurze, aber herzliche Verabschiedung! Es ist für mich eine bleibende Erinnerung (auch durch meine Fotos), wie Falkner mit den freiesten Geschöpfen auf Erden zusammenarbeiten und gemeinsam Beute machen.

Als aktiver Hundeführer und Jäger mit der Waffe habe ich jetzt ein besseres Verständnis für die aktive Beizjagd und die Beizjäger bekommen. Vielen Dank für die Einladung und das kameradschaftliche Beisammensein.

Weidmannsheil

Burkhard Muschke
Hegering Altenhagen, JV-Nordvorpommern