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Jagdverband Nordvorpommern

Voraussetzungen für einen Falkner (Beizjäger). Eine persönliche Betrachtung.

Um die Beizjagd auszuüben bedarf es mannigfaltiger persönlicher und bürokratischer Voraussetzungen. Zum besseren Verständnis unterteile ich diese komplexen Sachverhalte in zwei Themenbereiche.

Der 1.Teil beinhaltet die persönlichen Voraussetzungen eines Falkners (Beizjägers) und die notwendigen natürlichen Jagdmöglichkeiten, der 2.Teil die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Haltung der Beizvögel und die praktische Ausübung der Beizjagd.

1.Teil

Die Grundlage für die Passion Falknerei (Beizjagd) ist eine eigenständige Motivation. Diese wird gespeist von der Faszination für die Natur im Allgemeinen und für Greifvögel im Besonderen. Wer diese Passion nicht in sich spürt, wird auch nicht die notwendige Ausdauer aufbringen können, die für die Falknerei zwingend notwendig ist. Um ein erfolgreicher Beizjäger zu werden reichen rationale Überlegungen nicht aus. Es gehört noch eine Art Talent dazu mit Tieren umzugehen bzw. zu arbeiten. Deshalb bezeichnete schon der „Falkenkaiser“ Friedrich II. im 13. Jahrhundert die Falknerei als eine Kunst und 500 Jahre später der Gelehrte Linné diese als eine besondere Wissenschaft.

Nach erfolgreicher Beize-Falkner mit mehrjährigen Wanderfalken Weib und Beute (Fasan)

Nach erfolgreicher Beize-Falkner mit mehrjährigen Wanderfalken Weib und Beute (Fasan)

Ein Falkner sollte über ein ruhiges, besonnenes Gemüt mit scharfer Beobachtungsgabe verfügen.

Er muss über eine artgerechte Unterbringung, eine artgerechte Versorgung und ausreichende Trainings-und Jagdmöglichkeiten für seinen Beizvogel verfügen. Hierfür sind während der ca. 6 monatigen Mauserzeit des Beizvogels täglich ca. 15 Minuten und während der 6 monatigen Trainings-und Jagdzeit ca. eine Stunde als täglicher Zeitaufwand zu berücksichtigen.

Er muss sich sowohl die natürlichen und artspezifischen Kenntnisse ( z.Bsp. durch einen Falknerkurs, einen Patenfalkner, etc.) aneignen als auch danach den Umgang und die Jagd mit seinem Greifvogel ausrichten. Das Abtragen (Abrichten) eines Greifvogels basiert auf einem Jahrtausende alten Handwerk verbunden mit den aktuellen Erkenntnissen der Tierpsychologie. In der wissenschaftlichen Forschung über den „Intellekt“ (kognitives Handeln) von Vögeln hat sich heute herausgestellt, das diese den gleichen Stand wie Primaten (Affen) erreichen können. Rabenvögel haben auf der Suche nach Nahrung bewiesen, dass sie sich hierfür „Werkeuge“ anfertigen und diese funktionell benutzen. Aber noch immer sind einige Wahrnehmungen (von ultraviolettem Licht, von Geruch, etc.) der Vögel unbekannt bzw. nicht gänzlich erforscht. Für mich persönlich ist schon die Feder (z.Bsp. eine Schwungfeder meines Falken) ein Meisterwerk der Natur. Die Struktur und Belastbarkeit sind trotz menschlicher Bemühungen (aktuell beim Bau des Airbus) unerreicht. 

So gibt es viele Beispiele der „Wunder der Evolution des Lebens“ auf Erden, deren Teil wir auch selber sind. Trotzdem wird das sichtbare aktuelle dramatische weltweite Artensterben auf unserem Planeten „Erde“ in der Öffentlichkeit nicht thematisiert und wahrgenommen!!!

Sollte Albert Schweitzer mit seiner Prophezeiung Recht behalten!? „Der Mensch hat die Fähigkeit, vorauszublicken und vorzusorgen verloren. Er wird am Ende die Erde zerstören.“ Offensichtlich sind die weltweiten Folgen des Pestizitcrash der 1950-1970ger Jahre vergessen!?

Doch die Tatsachen des Einsatzes chemischer „Kampfmittel“, als auch deren Folgen, waren und sind auch heute nicht zu leugnen. 

Unsere Kinder und Kindeskinder werden die Folgen unseres „Handelns“ ertragen müssen.  Vor diesem Hintergrund steht und fällt auch das Thema der Jagd im Allgemeinen und der Beizjagd im besonderen.

Die Beizjagd ist per Jagdgesetz eine Jagd auf das sog. Niederwild. Aufgrund der umfangreichen Veränderungen im natürlichen Ökosystem, besonders der Feldflur der letzten 70 Jahre, ist weltweit ein dramatisches Artensterben eingetreten. Dies führt bis heute zum fast gänzlichen Zusammenbruch der Bestände unseres Niederwildes. Als Leitart hierfür gilt bei uns das Rebhuhn.

Die genannten Veränderungen führen zwangsläufig auch zu Problemen bei der Beizjagd. Die Beizjäger versuchen als Ausgleich besonders bei der Vergrämung von Tierarten behilflich zu sein, die vermehrt Schäden in städtischen Bereichen anrichten. Hierzu zählen besonders Kaninchen, Krähen, Möwen und Tauben. Für die Zukunft liegt hier wohl der Schwerpunkt aktiver Falknerei.

Diese komplexen Zusammenhänge zu erkennen ist auch ein Teil falknerischen Denkens, weil Falkner als auch Jäger diese ganzheitlich betrachten. 

2. Teil

Der rechtliche Rahmen für die praktische Ausübung der Beizjagd schreibt zwingend zwei Sachkundenachweise vor. Sie beinhalten den erfolgreichen Abschluss der Jägerprüfung (grünes Abitur) und der Falknerprüfung.

In Verbindung mit einer Jagdhaftpflichtversicherung sind diese beiden Nachweise zwingend für die Erteilung des ersten Falknerjagdscheins erforderlich. Die tatsächliche Ausübung der Jagd ist wiederum von der Zustimmungen eines Revierpächters bzw. Jagdausübungsberechtigten für ein genau bestimmtes Jagdgebiet abhängig. 

Erst dann darf dieser Berechtigte die Jagd, entsprechend der einvernehmlichen Absprachen und der Jagdzeiten des Wildes, ausüben.

Desweiteren unterliegt ein Falkner auch den Aufsichtsbehörden des Tier-und Artenschutzes in Bezug auf die Haltung seiner Beizvögel und deren Handel. Das bedeutet konkret eine ständige Kontrolle des Tierbestandes, dessen Herkunft und dessen Verbleib.

Eine weitere Reglementierung besteht bezüglich der Haltung von einheimischen Greifvögel für die Beizjagd. Grundlage hierfür ist das Bundesnaturschutzgesetz und die Bundeswildschutzverordnung, die besagt, dass insgesamt nur zwei Greifvögel der einheimischen Arten Habicht, Wanderfalke und Steinadler für die Beizjagd von einem Falkner genutzt werden dürfen. Für die ausländischen Greifvögel gilt diese Begrenzung nicht.

Zusammenfassung

Der rechtliche Rahmen für die Beizjagd besteht aus folgenden Regelungsebenen:

– Jagdrecht (BJG, LJG, Jagdzeiten VO, WildschVO)

– Artenschutzrecht (WA/CITES, EG VO, BNatSchG, BArtSchVO)

– Tierschutzrecht (TierSchG, Gutachten)

– Zivilrecht (BGB)

Es würde den Rahmen sprengen näher auf diesen komplexen rechtlichen Rahmen einzugehen. Mit den genannten umfangreichen Sachthemen möchte ich Interessierte nicht abschrecken, sondern lediglich aufklären. Wer die Passion und Faszination für die Falknerei in sich spürt, lässt sich aber nicht beirren!

Ho Rüd Ho und Falknersheil

Hans Werner Bünger