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Jagdverband Nordvorpommern

Welche Aufgaben übernimmt die Falknerei?

Eine Betrachtung der Vergangenheit und Gegenwart

Die Falknerei (Beizjagd) dient von ihrem Ursprung her der Nahrungsbeschaffung. Dem flüchtigen Wild in den Steppenregionen habhaft zu werden, war in früheren Zeiten fast unmöglich.  Daher kam es aufgrund von Naturbeobachtungen des Menschen bei der Jagd des Falken sicherlich zu der Überlegung, sich den Falken dienlich zu machen.

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männlicher Steinadler auf Hase

Bei der Beizjagd handelt es sich offensichtlich um ein „Gleichnis der Natur“: Wie der wilde Falk so jagt auch der Beizfalke ausschließlich zum eigenen Überleben. Während der Beizjagd ist der Falke der Akteur und der Falkner sein Gehilfe. Diese Symbiose der Zusammenarbeit von Falke und Falkner,

im Besonderen der Weg dahin, wird als „Kunst der Falknerei“ bezeichnet.

Der Falke wurde und wird bewundert durch seine Art zu jagen, so zum Beispiel, wenn er seine  Beute aus großer Höhe im Sturzflug als lebendiges Geschoss mit bis zu 400 km/h und mehr verfolgt. Deshalb wurden und werden Falken und andere Greifvögel als das Symbol für Mut, Kraft und Klugheit angesehen. Weltweit spiegelt sich das besonders in Staatswappen, Wappen von Adel und Klerus wider. Es soll damit etwas Göttliches, Erhabenes ausgedrückt werden, das auf den genannten Personenkreis „abfärben“ soll.

Die Falknerei hat keinen territorialen Ursprung, da sie sich nachweislich gleichzeitig auf verschiedenen Kontinenten entwickelt hat. Aus diesem Grund handelt es sich bei der Falknerei auch um ein Völker verbindendes Kulturerbe. Eine Bestätigung hierfür ist der Antrag und die Anerkennung der Falknerei als Kulturerbe durch die UNESCO von 2010 für 12 Nationen der Erde.

Entsprechend der unterschiedlichen Kulturen der Völker hat sich bis heute auch die Falknerei  entwickelt:
In der sogenannten abendländischen Kultur war die Falknerei ein Privileg der Herrscher (Adel und Klerus), in der sogenannten morgenländischen Kultur war sie bei den Turkvölkern hingegen nicht reglementiert. Es besteht auch ein grundsätzlicher Unterschied im Umgang mit den Falken. Im Orient ist der Falke ein Teil der Familie und lebt dementsprechend im „Haus“. In Europa ist der Falke im Wesentlichen ein Mittel zum „Zweck“.

Die Falken wurden in aller Regel zur Jagdzeit (also zur Zugzeit der Vögel) gefangen und nach der Jagdzeit wieder in die Freiheit entlassen. Heute würde man das als nachhaltige Nutzung der Natur bezeichnen. Auch aktuell geschieht das noch z. Bsp. in der Türkei mit den Sperbern nach der Wachtelbeize. Für das Freilassen gibt es dort sogar einen staatlichen Feiertag.

In der Neuzeit kam es weltweit Mitte des vergangenen Jahrhunderts zu dem sogenannten „Pestizitcrash“. Bei den Greifvögel als Endglieder einer Nahrungskette kam es dadurch zur Unfruchtbarkeit und zu dünnschaligen Eiern. Die Folge war ein Zusammenbruch der Bestände, insbesondere beim Wanderfalken. Dementsprechend galt der Wanderfalke Ende der 1970er Jahre in der DDR als ausgestorben.

Es waren Falkner, die als Erste Mitte der 1970er Jahre erfolgreich Wanderfalken in Gefangenschaft gezüchtet haben. Durch Perfektion der Zuchtmethoden konnte verschiedenen Greifvogelarten das Überleben gesichert werden. Hierzu zählen z. Bsp. der Wanderfalke, der Mauritiusfalke, der Weißkopfseeadler und die Harpyie. Lehre, Forschung und Zucht zur Arterhaltung der Greifvögel sind heute ein wesentlicher Bestandteil der Falknerei.

Wüstenbussard auf Krähe

Wüstenbussard auf Krähe

Nachweislich hat schon Friedrich II. (der „Falkenkaiser“) im 13. Jahrhundert Verhaltensforschung bei Greifvögeln betrieben. Selbiger verfasste das Buch über die Falknerei „Über die Kunst mit Vögeln zu jagen“, das noch heute seine Gültigkeit hat.

Durch den täglichen Umgang und die Jagd mit ihren Beizvögeln haben Falkner ein hohes Maß an Wissen von Greifvögeln erlangt.
Dabei ist der Maßstab für einen Beizvogel immer der „Wilde Greif“,
sowohl in Bezug auf seine mentale und als auch körperliche Fitness. Dafür ist es zwingend notwendig, mit dem Beizvogel entsprechend zu trainieren und zu jagen.

Doch bei den heutigen Jagdpächtern finden Falkner eher selten Verständnis und ein Revier ist oft nicht groß genug für einen Falken. Andererseits sind Falkner bei der Öffentlichkeitsarbeit der Jägerschaft immer gern gesehen. Aktuell sind für den Landkreis Vorpommern-Rügen SECHS Falknerjagdscheine ausgestellt worden!

Um das Kulturerbe der Falknerei weiter zu erhalten, bitte ich hiermit um Verständnis und Hilfe bei allen Jagdausübungsberechtigten für diese „Handvoll“ Beizjäger. Ermöglicht aktiven Beizjägern die Jagd und helft so, diese besondere Jagdsymbiose weiterhin zu ermöglichen.

In diesem Zusammenhang muss die sehr erfolgreiche Zusammenarbeit, bezüglich der Wideransiedlung von baumbrütenden Wanderfalken in Mecklenburg Vorpommern zwischen der Landesjägerschaft M-V und den Falknern erwähnt werden. Das sollte Motivation zur weiteren Zusammenarbeit sein!

Die Falknerei hat außerhalb Deutschlands einen höheren Stellenwert und mehr Möglichkeiten in der Praxis. In mehreren Ländern Europas kommen Falken schon seit den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts zur Flugsicherung auf Flugplätzen zum Einsatz. Außerdem werden sehr erfahrenen Falknern besondere Möglichkeiten der Beizjagd bezüglich des „jagbaren Wildes“, als auch der Jagdzeiten eingeräumt. Hierzulande setzt man Beizvögel (den Habicht) hauptsächlich bei der Jagd auf Kaninchen in sogenannten „befriedeten Bezirken“, Stadtparks, zum Deichschutz etc. ein. Eher selten werden sogenannte Vergrämungsmaßnahmen gegen verschiedene Vögel (Krähen, Tauben, Stare, Möwen, Reiher, Gänse, Kormorane) mit Beizvögeln (Wanderfalken) durchgeführt. Der Steinadler, als größter einheimischer Beizvogel, kommt hauptsächlich zur Jagd auf Hasen und Füchse zum Einsatz.

Falkner müssen sehr hartnäckig und zielorientiert sein, sonst könnten sie nicht, trotz großer Hindernisse und Auflagen, ihrer großen Passion „mit Vögeln zu jagen“ nachgehen. Diese Passion bei der nächsten Generation von Beizjägern zu wecken und zu fördern, steht im Mittelpunkt meines Falkner Blog!!!

In diesem Sinne „Ho Rüd Ho“ und immer gut Federspiel

Hans Werner Bünger