Der Vorsitzende des Jagdverband Nordvorpommern über Verantwortung, Gemeinschaft und den Wandel der Jagd.
Liebe Jägerinnen und Jäger,
seit mehr als drei Jahrzehnten engagiert sich Ingo Reichelt in der Jagd und in der Verbandsarbeit. Im Interview spricht der Vorsitzende des Jagdverbandes Nordvorpommern über seinen Einstieg in die Jagd, die Entwicklung des Verbandes, aktuelle Herausforderungen und seine Wünsche für die Zukunft.

Einstieg in die Jagd: Vom Interesse zur Verantwortung.
Die Wendezeit 1989/1990 brachte auch für die Jagd tiefgreifende Veränderungen. Das Gebiet Nordvorpommern war zuvor Staatsjagdgebiet. Viele Menschen interessierten sich für die Jagd, hatten jedoch keine Möglichkeit, aktiv zu werden.
Nach der Wiedervereinigung entstanden neue Jagdgesellschaften, zahlreiche Interessierte nutzten die Chance, den Jagdschein zu erwerben.
Ingo Reichelt selbst absolvierte seinen Jagdschein 1992/1993 – nach Abschluss seines Hausbaus. Die Verbindung zur Natur bestand jedoch schon lange: Aufgewachsen in der Region, verbrachte er viel Zeit im Wald. Über das jagdliche Schießen und die Arbeit im Hegering entwickelte sich schrittweise sein Engagement in der Verbandsarbeit.

Entwicklung des Jagdverbandes Nordvorpommern.
Die ersten Jahre des Verbandes waren von Umstrukturierungen geprägt. Kreiszusammenlegungen führten zu neuen organisatorischen Herausforderungen und unterschiedlichen Interessenlagen.
- Mit der Zeit stabilisierte sich der Jagdverband jedoch deutlich. Heute stehen vor allem folgende Themen im Fokus:
- Naturschutz und Artenschutz
- Öffentlichkeitsarbeit
- Politische Interessenvertretung der Jägerschaft
- Nachwuchsförderung
Die Anforderungen an Jagdverbände sind insgesamt komplexer geworden – sowohl organisatorisch als auch gesellschaftlich.

Positive Entwicklungen: Junge Jäger und gelebte Gemeinschaft.
Besonders erfreulich ist die Entwicklung der jungen Jägerinnen und Jäger. Die Arbeitsgemeinschaft Junge Jäger hat sich zu einer wichtigen Plattform für Austausch, Weiterbildung und Vernetzung entwickelt.
Gerade für Jungjägerinnen und Jungjäger sind Kontakte und Unterstützung entscheidend. Veranstaltungen wie:
- das Bläsertreffen
- gemeinschaftliche Aktivitäten im Hegering
- die Rehkitzrettung
zeigen, wie stark Gemeinschaft wirkt, wenn Mitglieder sich aktiv einbringen. Hier wird deutlich: Jagd lebt vom Mitmachen.

Aktuelle Herausforderungen für die Verbandsarbeit.
Eine zentrale Aufgabe bleibt die Gewinnung von Nachwuchs für ehrenamtliche Funktionen im Verband. Viele engagieren sich jagdlich, doch nur wenige übernehmen langfristig Verantwortung in Vorstands- oder Organisationsstrukturen.
Zudem gewinnt der Naturschutz weiter an Bedeutung. Als anerkannter Naturschutzverband wird der Jagdverband Nordvorpommern zunehmend in Projekte eingebunden. Das erfordert:
- Fachwissen
- Zeitliche Ressourcen
- Unterstützung durch übergeordnete Strukturen
Die Rolle der Jagd im Natur- und Wildtiermanagement wird künftig noch stärker im öffentlichen Fokus stehen.

Ziele der aktuellen Wahlperiode.
Nach vielen Jahren im Amt liegt Ingo Reichelt besonders der strukturelle Übergang am Herzen. Ein gleitender Generationswechsel soll vorbereitet werden, damit jüngere Jägerinnen und Jäger Verantwortung übernehmen können.
Gleichzeitig sollen traditionelle Elemente wie das Jagdhornblasen erhalten und gefördert werden. Gemeinschaft und Brauchtum sind feste Bestandteile der Jagdkultur in Mecklenburg-Vorpommern.
Ein Verband funktioniert nur, wenn Mitglieder sich aktiv beteiligen.

Welchen Nutzen bietet ein Jagdverband?
Der konkrete Nutzen eines Jagdverbandes liegt nicht in finanziellen Vorteilen. Entscheidend ist die Interessenvertretung.
Ohne eine gemeinsame Stimme werden Anliegen der Jägerschaft gegenüber Politik und Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Gerade bei gesetzlichen Entwicklungen zeigt sich, wie wichtig eine organisierte Vertretung ist.
Jagd braucht Zusammenhalt – regional wie landesweit.

Gesellschaftliche Wahrnehmung der Jagd.
Im ländlichen Raum ist das Verständnis für die Jagd meist weiterhin vorhanden. Dennoch nimmt die öffentliche Diskussion zu, und unterschiedliche Sichtweisen werden sichtbarer.
Deshalb trägt jede Jägerin und jeder Jäger durch das eigene Verhalten zur Außenwirkung bei. Glaubwürdigkeit entsteht durch verantwortungsvolles Handeln im Alltag – im Revier wie in der Öffentlichkeit.

Zukunft der Jagd in Mecklenburg-Vorpommern.
Für die Zukunft wünscht sich Ingo Reichelt, dass in Mecklenburg-Vorpommern weiterhin eine verantwortungsvolle und flächendeckende Jagd möglich bleibt – und dass die Jägerschaft politisch Gehör findet.
Ein gelingender Generationswechsel ist dabei entscheidend. Wenn Gemeinschaft, Verantwortung und Respekt erhalten bleiben, sieht er die Zukunft der Jagd und des Verbandes positiv.

Die Redaktion des Jagdverband Nordvorpommern bedankt sich herzlich bei unserem Vorsitzenden Ingo Reichelt für das offene Gespräch, die klaren Worte und den langjährigen, unermüdlichen Einsatz für die Jägerschaft in unserer Region.
Seit vielen Jahren prägt er die Entwicklung unseres Verbandes mit Verantwortungsbewusstsein, Weitblick und persönlichem Engagement. Seine Ausführungen zeigen eindrucksvoll, wie wichtig Gemeinschaft, Nachwuchsförderung und eine starke Interessenvertretung für die Zukunft der Jagd in Mecklenburg-Vorpommern sind.
Weidmannsheil
Redakteur von JVN
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